Bilder mit meinen Ex-Kollegen und von Fahrradtouren

 

Meine erste Fahrradtour 2017

Auf dem Fulda- und dem Werratalradweg

Prolog

Eine Genussfahrt sollte es sein, was sonst? Rekorde will ich nicht fahren, auch nicht die Alpen überqueren. Ich wollte unbedingt einmal an der Fulda entlangfahren. Also war mein Plan, bis Hann. Münden mit der Bahn zu fahren und dann von dort aus los zu treten mit der ersten Station bei Kassel. Für die ganze Tour hatte ich vom Feeling her ein gutes Gefühl (© Andi Möller).

Für den Starttermin gab es zwei Hindernisse: In Kassel startete gerade die Documenta, ich wollte deshalb nicht ohne Vorabbuchung losfahren. Außerdem war die Bahnstrecke Eichenberg - Kassel den ganzen Juli über Baustelle wegen Gleisbauarbeiten. Die Konsequenz war also: Hotel buchen und am 30. Juni losfahren, egal, wie das Wetter wäre.

Also los bei trübem Wetter am 30. Juni, rein mit der Else in den Zug zusammen mit einigen anderen Radlern, die teilweise an der Weser entlangradeln wollten. Zwei von ihnen hatten sich vorgenommen, an diesem Tag an der Weser entlang bis Höxter zu fahren. Und dann war da noch ein Kanadier, der nach Kassel wollte. Er war von irgendwo aus dem Norden auf der Rückreise. Vom Bahnsteig konnte ich vor der Abfahrt durch das Zugfenster sehen, wie genau er mein Bosch - Bedienteil für den Motor und mein Montana anschaute und dann auch ausführlich fragte, nachdem ich im Zug war. Netter Kerl, vielleicht zehn Jahre jünger als ich. Sein Schnitt wäre 23 km/h, meinte er, als ich etwa 20 km/h für mich angab. Soll er doch! Nach Bergstrecken habe ich sowieso nicht gefragt.

Meine Packstrategie hatte ich etwas geändert. Ich hatte nicht wild alles in die beiden Packtaschen verteilt, sondern war etwas systematischer vorgegangen. Mein Plan war, abends alles ausgepackte vor die jeweilige Tasche zu legen um dann am Morgen ohne wildes Herumgemache alles wieder am gleichen Platz zu verstauen. Hat geklappt!

Ansonsten: Wieder kein Frühstück vor 9:00 Uhr, keine Weiterfahrt vor 10:00 Uhr.

 

 

Die gesamte tatsächlich gefahrene Strecke. Die unterschiedlichen Farben stehen für die Tagesetappen. Die Lücke rechts zwischen Meiningen und Eisenach habe ich im Zug geschafft.

 

1. Etappe Hann. Münden - Kassel

Am ersten Tag wollte ich es langsam angehen. Also nur bis kurz vor Kassel, gut 20 km, Temperatur leider nur um 18 Grad. Es war bewölkt, aber der Regen blieb immerhin oben. So konnte ich die schöne Strecke an der Fulda entlang genießen.

 

 Speele auf der anderen Fuldaseite.

 

 Wehr gegenüber von Kragenhof.

 

 Hier fließt die Espe in die Fulda, deshalb diese schöne Brücke.

 

Unmittelbar nach der Brücke befindet sich dieser schöne Wegweiser.

 

Zwei Eisenbahnbrücken: Vorn die alte Strecke über Hann. Münden nach Kassel, dahinter die neue ICE-Strecke.

 

 

 Angekommen am Nachmittag im Roten Kater an der Fulda. Das Wetter hatte sich etwas gebessert.

 

 

Später am Nachmittag kamen Gruppen mit Bierkisten und Essbarem an. Es gibt im Hotel zwei Hausboote zum Verleih, mit denen man auf der Fulda herumschiffern kann! Die Leute schipperten dann auch nach kurzer Einweisung los und kamen nach etwa zwei Stunden zurück, machten eine kurze P-Pause und fuhren dann noch einmal eine Runde.

 2. Etappe Kassel - Melsungen

 

Am nächsten Morgen ging es gegen 10 Uhr los. 15 Grad und auch im Laufe des Tages nicht mehr als 17 Grad. Erstaunt hat mich, wie viele Boote in Kassel an der Fulda liegen.

 

Die Axt von Claes Oldenburg in der Karlsaue, entstanden 1982 zur Documenta 7.

Und hier in der Karlsaue musste ich mir auch meine Regenjacke anziehen, denn Nieselwetter war angesagt.

 

Fuldabrücke bei Guntershausen.

 

Pause in Guxhagen. Genau über Eingang zu dieser Pizzeria war ein Schwalbennest. Der Inhaber meinte, er müsse alle halbe Stunde den Schiet wegmachen. Aber es machte ihm nichts aus.

 

Hinweistafeln gibt es sehr oft am Weg. Hier bei Guxhagen.

 

 

Melsungen war erreicht. Genau neben dem schönen Rathaus gibt es...

 

... ein Caffee, wo ich diesem Schoko-Sahnestück nicht wiederstehen konnte.

 

 

Die Fulda in Melsungen.

Am Abend hatte ich noch ein nettes Gespräch mit einem Östereicher am Nebentisch. Er kam aus Norddeutschland und war auf der Rückreise nach Wien, er wollte am nächsten Tag bis Salzburg fahren. Natürlich mit dem PKW! Aber er erzählte, dass er früher gern und oft Rad gefahren wäre, auch Rennrad. Er war schon unterwegs, als ich am nächsten Morgen mein Frühstück verdrückte.

 

3. Etappe Melsungen - Bebra

Und hier nun das Radweg-Highlight an der Fulda: Eine Seilfähre mit Kurbeln!

 

 

Die Fähre fasst drei bis vier Personen mit Fahrrädern. Um sie zu bewegen, gibt es auf der Fähre und am Ufer Kurbeln, mit denen man die Kiste bewegt. Und man muss kurbeln! Aber heftig. Ich hatte das Glück, nicht allen zu sein. Da war eine Radlergruppe, die in dieselbe Richtung fuhren. Ich kam also mit mäßigem Einsatz ans andere Ufer. Was für ein Glück, denn allein wäre es wirklich Schwerstarbeit gewesen.

 

Nein, kein Naturdenkmal, aber trotzdem schön: Die Brücke der ICE-Strecke zwischen Binsforth und Morschen.

 

 

Das Zisterzienserkloster Heydau in Morschen. 1235 gegründet.

 

Traditionelles Heimat- und Strandfest in Rotenburg. Es gab einen Umzug, der eine gute Stunde dauerte. Solange war nicht daran zu denken, weiterzufahren, es blieb also nur eine ausgedehnte Cappuccinopause.

Die nächste Station war Bebra. Das Restaurant im Hotel war leider geschlossen, aber es sollte einen guten Italiener geben, nur wenige Minuten entfernt. Der war auch schnell gefunden, nur leider war das Restaurant voll, auch für die nächste halbe Stunde war kein Platz in Sicht. Glücklicherweise gab es zwei Häuser weiter noch einen Italiener, indisch angehaucht, aber die Pizza war einfach lecker.

 

Am nächsten Morgen wurde ich pünktlich um sieben Uhr geweckt. Unter meinem geöffneten Fenster wurde gearbeitet. Der Boden vor der Eingangstür wurde aufgestemmt! An Weiterschlafen war nicht mehr zu denken. Dafür hatte sich das Wetter endlich verbessert, die Sonne schien und es sollte ein schöner Sommertag werden.

 

4. Etappe Bebra - Schenklengsfeld

 

Die Fulda zwischen Bebra und Bad Hersfeld.

 

Rathaus in Bad Hersfeld, dahinter die Stadtkirche.

 

 In dem Cafe dort war der Cappuccino so gut, dass ich mir noch einen bestellt habe.

 

Von Bad Hersfeld ging es dann auf dem Solztal-Radweg, einer ehemaligen Bahntrasse entlang der Ausläufer der Rhön in Richtung Werra. Das bedeutete eine kilometerlange Steigungsstrecke. Nicht gerade heftig, aber doch spürbar.

 

Ein schönes Kunstwerk am Weg.

Auf halben Weg zur Werra, in Schenklengsfeld, dachte ich, für diesen Tag wäre es genug und fand auch gleich am Ortseingang eine Pausenbank mit Hinweisen auf Gaststätten. Prima, Montag war es und das einzige Gasthaus "Zur Linde" mit Zimmern hatte Ruhetag! Ich fuhr trotzdem dorthin, um dort vielleicht nach einer Alternative zu suchen. Nach kurzer Zeit kam jemand, der etwas liefern wollte. Wir sprachen miteinander und es stellte sich heraus, dass die Wirtsleute gleich kämen, dass am Abend ein Fest stattfände und ich vielleicht doch ein Zimmer bekäme.

Genau so war es dann auch. Ich bekam nicht nur ein Zimmer, sondern am Abend auch gutes Essen und zu trinken. Die Feier lief bis in die Puppen, hat mich aber im Schlaf überhaupt nicht gestört.

 

 

Das Gasthaus heißt deshalb "Zur Linde", weil...

 

... auf dem Platz davor eine über Tausendjährige Linde steht, vielleicht die älteste in Deutschland.

 

Und es gibt den historischen Friedhof mit etwa 270 Grabsteinen, die zum Teil über 300 Jahre alt sind.

 

5. Etappe Schenklengsfeld - Breitungen

Von dort ging es nach Philippsthal an die Werra und über Bad Salzungen nach Breitungen.

 

 

Lange vor Philippsthal ist die riesige Kali-Abraumhalde zu sehen.

 

 

Natürlich hatte ich wieder ein Zimmer in der zweiten Etage, da, wo das Fenster offen ist. Aber das Hotel war sehr schön, klein und gemütlich mit gutem Essen.

 

Erst war das Steak da...

Dann war es plötzlich weg!

 

6. Etappe Breitungen - Meiningen

Weiter ging es mit einer Pause in Wasungen...

... ich habe nicht danach gefragt...

 

Nach Meiningen.

 

Die Stadtkirche St. Marien...

 

 

...und der Heinrichsbrunnen mit der Darstellung Kaiser Heinrich II. auf dem Marktplatz.

 

 

 

In der Schlundgasse befindet sich dieses Haus, das Schlundhaus, heute ein Hotel.

 

 

Das Henneberger Haus. Ein toller Fachwerkbau. Heute ein Restaurant.

In meinem Hotel war ein griechisches Restaurant, also gab es am Abend griechisches Essen. Ich hatte allerdings trotz Sonnenschirm ein Problem mit der immer tiefer stehenden Sonne. Ich rückte also zunächst einen Tisch weiter, und später, als der Nachbartisch frei wurde, auf die andere, geschützte Seite des Gangs zwischen den Tischen.

Das blieb nicht unbeobachtet! An einem Tisch auf der schattigen Seite saßen drei Frauen, die einen gemütlichen und heiteren Sektabend verbrachten. Als ich am Nachbartisch ankam wurde ich sofort an ihren Tisch eingeladen und ein Sektglas für mich wurde bestellt. Und klar ist, dass eine weitere Flasche geleert wurde. So war es auf jeden Fall ein lustiger Abend.

 

 

 

Die Genehmigung für das Einstellen der Fotos hier habe ich mir natürlich geben lassen.

 

Am nächsten Morgen ging es nach einer Bummelfahrt durch die Stadt in den englischen Garten. Hier das Meininger Theater von der Rückseite.

 

6. Etappe Bahnfahrt nach Eisenach

Anschließend ging es mit der Bahn nach Eisenach, wo nach der Hotelsuche Zeit blieb, um durch die Altstadt zu gehen.

 

 

Der Karlsplatz mit Nikolaikirche und Nikolaitor...

 

... und dem Lutherdenkmal.


Das "Schmale Haus" von Eisenach.

 

Das Stadtschloss am Marktplatz. Ehemals Residenz der Herzöge von Sachsen-Eisenach. Heute neben einigen Teilen der Stadtverwaltung das Thüringen Museum.

 

Belohnung am Markplatz.

 

7. Etappe Eisenach - Mihla

Von Eisenach ging es über Hörschel, dem Tor zum Rennsteig, und Creuzburg nach Mihla.

A4-Brücke über das Werratal bei Hörschel .

 

 

 Das Werratal zwischen Creuzburg und Mihla.

 

 

Das "graue Schloss" in Mihla. Leider war kein Zimmer mehr für mich frei, alles voll mit Radfahrern! Aber gutes Essen gab es am Abend, zunächst draußen, bis zum heftigen Gewitter, vor dem alle nach drinnen flüchteten.

 

 Ich fand aber eine sehr schöne Privatunterkunft, mit Blick auf jede Menge Gänse und Hühner.

 

 

Und mit einem Frühstück, an dem nichts fehlte.

 

Auch nicht der interessierte Beobachter.

Wer einmal dorthin kommt: Familie Bätzel, Ziegeleistraße 4, 99826 Mihla, Tel. 036924 3 21 15

 

8. Etappe Mihla - Eschwege

 

 

Weiter ging es über Treffurt mit Kunst am Radweg...

 

... und über Wanfried mit dem ehemaligen Hafen nach Eschwege.

 

Epilog

Eine tolle Fahrt, die sehr viel Spaß gemacht hat, auch wenn der Abschnitt zwischen Kassel und Bebra regnerisch war und die Temperatur nicht über die 18 Grad Marke klettern wollte

Die Wege sind Klasse, überwiegend Radwege teilweise Wirtschaftswege, aber immer in gutem bis sehr guten Zustand. Auch die Beschilderung ist prima, verfahren kann man sich so gut wie nicht.

Nachdem ich ja ein Jahr vorher den Werratal-Radweg in Richtung Quelle gefahren bin, habe ich diesmal in der Gegenrichtung gemerkt, wieviel Neues es zu entdecken gibt. Auch wenn man einen Weg schon oft gefahren ist, sieht man vieles doch immer mit anderen Augen.

Erstrampelte Strecke mit dem Rad: 330 km. Bahnfahrten zählen natürlich nicht dazu.

Höhenmeter dabei: 1720, natürlich auch nur mit dem Rad.

Eine Fahrt mit 1000% Zufriedenheit.