Bilder mit meinen Ex-Kollegen und von Fahrradtouren

Meine erste Fahrradtour 2016: Von Witzenhausen bis zu den Werraquellen im Thüringer Wald

auf dem Werratal-Radweg

Prolog

Dies ist meine erste mehrtägige Fahrradtour überhaupt, dazu eine Tour, die ich allein gefahren bin. Ich hatte mir dazu etwas "leichtes" ausgesucht: Eine Tour an einem Fluss entlang, wo wenige Anstiege zu überwinden wären. Also fiel meine Entscheidung auf den Werratal-Radweg. Es war mir schon klar, dass am Ende doch ein großer Höhenunterschied zu überwinden wäre. Aber ich ging nach dem Motto "kommt Zeit, kommt Rat" vor. Und der Rat kam dann ja auch.

Mein Anspruch war es nicht, die Strecke in kürzester Zeit zu befahren. Ich bin nicht Mitglied im Racing-Club! Im Gegenteil, ich wollte mir Zeit lassen, Pausen machen, mir alles am Weg anschauen, und mir spätestens dann eine Gelegenheit zum Übernachten suchen, wenn der Hintern nicht mehr wollte und deshalb die Zeitabstände zwischen den Pausen immer kürzer würden. Der Weg ist das Ziel, das Gras wachsen hören und den Blumen beim Blühen zuzuschauen, dass war das Wichtigste. Einen festen Zeitplan oder Stationsplan hatte ich daher nicht. Auch bin ich morgens nicht schon in aller Frühe losgefahren. Frühstück etwa um 9:00 Uhr, Abfahrt etwa um 10:00 Uhr, das war für mich in Ordnung, denn etwas von der wärmenden Sonne sollte schon da sein.

Natürlich habe ich mich darüber informiert, was andere so auf mehrtägigen Touren mitnehmen. Campen wollte ich nicht, denn wenn ich schon den ganzen Tag draußen unterwegs bin, will ich nachts in einem Haus sein! Alles, was dazu nötig wäre, schied also schon einmal aus. Aber Gedanken über die nötige Anzahl Wäsche, Hemden, T-Shits, Hosen muss man sich schon machen. Regensachen müssen sowieso mit. Auch Werkzeug (für mich als ideal empfunden http://de.topeak.com/products/Mini-Tools/ALiEN_II) eine Miniluftpumpe, Flickzeug und Schlauch müssen sein, auch wenn ich nichts davon gebraucht habe. Das führte dazu, dass die wasserdichten Vaude-Gepäckträgertaschen doch schnell voll wurden und ein zweiter Anlauf mit Gedanken darüber, was ich noch weglassen könnte, wurde nötig.

Informationen über den diesen Weg fand ich bei http://www.werratal.de Dort gibt es auch den gesamten Weg als GPS-Track, den ich mir für meinen Garmin-Montana zur Route umwandelte. So war ich nicht nur darüber informiert, wo ich mich gerade befand, sondern ich bekam auch Hinweise auf den genauen Wegverlauf mit Piepsern bei jeder Abzweigung. Hinschauen und dann auf die Fre... fliegen war daher nicht unbedingt notwendig!

Die gesamte tatsächlich gefahrene Strecke. Die unterschiedlichen Farben geben die Tagesetappen wieder. Nur die dünne Linie ganz unten war eine Bahnfahrt.

1. Etappe Witzenhausen - Eschwege

Los ging es Ende Juni. Ich bin mit der Bahn von Göttingen bis Witzenhausen-Nord gefahren und dort in den Einstieg zum Werratal-Radweg. Es sollte bis Eschwege gehen, also etwa 40 km. Der Tag war wahnsinnig heiß, gegen Mittag schon etwa 30 Grad und etwa 35 Grad am Nachmittag. Natürlich folgte am frühen Abend auch das obligatorische Gewitter.

Das Wasser in meiner Trinkflasche war natürlich schon am Mittag so warm wie die Lufttemperatur und etwas kühles zu Trinken war lange Zeit nicht zu bekommen. Die einzige Gaststätte an einem Campingplatz bei Wahlhausen öffnete erst um 14:00 Uhr. Erst am Markplatz in Allendorf bekam ich etwas kühles aus Gerste und Hopfen.

Einer der typischen Rastplätze am Radweg. Man findet sie immer wieder, mehr oder weniger komfortabel. Oft sind es auch nur Bänke. Dieser Rastplatz ist in Lindewerra.

Blick in Richtung Eschwege am Abend. Das Gewitter war schon weggezogen.

2. Etappe Eschwege - Herleshausen

Wanfried. Blick von der Werrabrücke auf die ehemalige Anlegestelle, die am weitesten von der Weser gelegene. Als Mühlhausen noch Hansestadt war, wurden von hier aus die Güter über die Werra in Richtung Hann. Münden und die Weser verschifft.

Der Heldrastein, ein ehemaliger Wachposten der DDR, unmittelbar an der Grenze zu Hessen.

Das Rathaus in Treffurt.

Zwischen Treffurt und Mihla ist eigentlich der schönste Abschnitt des Weges. Es geht zwischen der Werra und den Felsen hindurch.

Eine kleine Pause zwischen Mihla und Creuzburg.

Pause auf dem Marktplatz in Creuzburg.

Die A4-Brücke zwischen Bad Hersfeld und Eisenach bei Hörschel wurde erst nach der Wende gebaut. Vorher ging der Transit-Verkehr auf Bundesstraßen um diesen Abschnitt herum.

Hörschel ist auch das Tor zum Rennsteig durch den Thüringer Wald, wenn man aus nördlicher Richtung kommt. Nein, die Kneipe habe ich nicht besucht, eine Bierpause hatte ich ja schon in Creuzburg.

Die Werra bei Wartha.

Am Abend gab es das EM-Spiel Deutschland gegen die Slowakei. In dem Gasthof in Herleshausen, in dem ich war, hatte man draußen ein Zelt aufgebaut, wo man das Spiel auf einer großen Leinwand anschauen konnte.

Das Frühstück am nächsten Morgen lies nichts zu wünschen übrig.

3. Etappe Herleshausen - Vacha

Die Rundkirche in Untersuhl. Sie ist sehr ungewöhnlich von der Bauweise. Leider war sie zu der Zeit geschlossen.

Bei Heringen ging es durch einen großen Auenbereich, die Rohrlache.

Die riesige Abraumhalde der K+S bei Philippsthal.

Bei Vacha, direkt an der ehemaligen Grenze. Der Verlauf der Grenze ist so, dass er neben der Werrabrücke in einem Waldstück weiter verläuft. Dadurch wurde ein Haus in Ost- und Westdeutschland geteilt.

Das Rathaus in Vacha.

Mein Hotel in Vacha. Natürlich gab es am Abend wieder Gelegenheit, die EM-Spiele zu sehen. Italien - Spanien und England - Island.

Die Werrabrücke bei Vacha bildete die Grenze.

4. Etappe Vacha - Schmalkalden-Wernshausen

An der Werra zwischen Merkers und Tiefenort.

Da der Radweg fast immer eben verlief, hatte ich gelegentlich solche Angaben über die Restreichweite.

Das Jugendstil-Gradierwerk in Bad Salzungen.

5. Etappe Schmalkalden-Wernshausen - Vachdorf

Das Theater in der Theaterstadt Meiningen.

Ein typisches "Mittagessen" für mich. Hier am Marktplatz in Meiningen.

Die Stadtkirche "Unserer lieben Frau" in Meiningen.

Das "Hotel zur Werra" in Vachdorf, einem kleinen Kaff am Weg...

... wo ich ein leckeres Essen mit Bier aus der eigenen Brauanlage bekam.

6. Etappe Vachdorf - Eisfeld

Die Werra in Themar.

Zwischen Grimmelshausen und Reurith.

Angekommen in Eisfeld. Meine Unterkunft.

Einzelzimmer halt. Aber es war alles da.

Ich habe später gehört, dies wäre das am meisten fotografierte Haus in Eisfeld. Also: wer kann es lesen?

7. Etappe Eisfeld - Neuhaus am Rennweg

Dies ist das Höhenprofil der Strecke, die mir eigentlich an diesem Tag bevorstand. Und dann wäre ich noch längst nicht in Neuhaus gewesen! Leute, ich habe mich anders entschieden, mir gesagt, nein dass muss ja nicht sein! Es geht ja auch anders, nämlich mit der Süd-Thüringen-Bahn. Die brachte mich ganz bequem von Eisfeld bis Neuhaus am Rennweg.

Hier ein Blick während der Bahnfahrt auf eine Brücke der ICE-Neubaustrecke Nürnberg - Erfurt, die durch den Thüringer Wald verläuft. Die Inbetriebnahme ist für Dezember 2017 vorgesehen.

Neuhaus am Rennweg heißt deshalb am "Rennweg", um eine Verwechselung mit Neustadt am Rennsteig auszuschließen. Das wurde vor etwa 150 Jahren von der Post und dem Land so beschlossen.

 

Die Stadtkirche in Neuhaus, eine der größten Holzkirchen in Thüringen.

8. Etappe: Auf dem Rennsteig zu den Werraquellen. Neuhaus am Rennweg - Masserberg

Als ich am Morgen losfuhr, war die Welt noch in Ordnung. Aber etwa 10 Minuten nach der Abfahrt fielen die ersten Tropfen. 5 Minuten später hieß es, Regenklamotten anziehen. Es fing an zu plästern, mehr oder weniger heftig, und das den ganzen Tag lang. Hätte ich das gewusst, wäre ich noch einen Tag länger in Neuhaus geblieben.

So hieß es aber: Durch den Regen fahren, und wenn es ganz heftig wurde, in einer der Schutzhütten Pause machen, bis es wieder erträglicher wurde.

 

Die Werraquelle 1 bei Sigmundsburg.

 

Der Dreistromstein ist eine Wasserscheide im Thüringer Wald. Hier an dieser Stelle sind Quellen, deren Wasser über Elbe, Rhein und Weser in die Nordsee fließen.

 

Die Werraquelle 2 bei Fehrenbach, von vielen auch als die "echte" Werraquelle bezeichnet. Es gibt da so etwas wie einen Wettbewerb um die beiden Quellen, der ist aber heute nur noch touristisch zu sehen.

 

Irgendwann hörte es doch auf zu regnen. Angekommen bin ich dann im Hotel Rennsteig in Masserberg, einem 4-Sterne Kasten im Stil der DDR. Hier sind an dem Tag auch mindestens 20 Motorradfahrer zu einem Treffen abgestiegen.  Mein dreckiges Rad konnte ich durch den ganzen Hotelflur in den Skikeller bringen. Als ich mit meinen dreckigen Packtaschen im Fahrstuhl zum Zimmer fuhr, fragte mich ein Gast: "Motorrad?". Meine Antwort: "Nein, Fahrrad", ließ ihn die Augenbrauen hochziehen.

Am Abend gab dann natürlich wieder Fußball-EM. Deutschland - Italien auf vier Bildschirmen inklusive Großleinwand. 6:5 ging das Spiel aus, entsprechend war die Stimmung und der Bierkonsum im Haus.

Die Tagesstecke und das Höhenprofil. Puls und Geschwindigkeit habe ich weggelassen, da sie nicht so Aussagekräftig sind.

9. Etappe: Masserberg - Vachdorf

 

Am nächsten Tag ging es dann zurück ins Werratal. Dies war der einzige Abschnitt, den ich nicht im Voraus geplant hatte, ich musste mich daher auf die im Montana geplante Route verlassen. Dass ging natürlich nicht immer gut, es gab Wege, die sich als Sackgassen herausstellten oder unbefahrbar waren. Die Topo-Karten hängen halt an den Daten der jeweiligen Ämter und sind nicht immer aktuell. Außerdem hatte ich mir vorgestellt, dass es ja eigentlich nur bergab gehen sollte. Pustekuchen, Steigungen waren auch dabei. Und Regen gab es zwischendurch auch immer wieder.

Blick auf Kloster Vessra bei Themar.

Ich landete dann schließlich wieder im Hotel zur Werra in dem kleinen Kaff Vachdorf, wo ich dann am Abend das Spiel Frankreich - Island (5:2) sehen konnte.

10. Etappe: Vachdorf - Schmalkalden-Wernshausen

In Vachdorf hatte ich mich für die Rückfahrt per Bahn entschieden. Es ging also zunächst mit dem Rad noch 40 km bis Wernshausen, weil zwischen Meiningen und Wernshausen Gleisarbeiten anstanden und keine Züge fuhren.

An einem kleine See vor Meiningen.

 

Pause in Wasungen. Die Kaffeetasse war wirklich so groß wie ein Suppenteller, ich konnte sie nur mit beiden Händen halten.

Warten auf den Zug am wunderschönen Bahnhof Wernshausen.

Inschrift an einer der Bahnhofstüren.

Von Wernshausen ging es dann mit der Bahn über Eisenach und Bebra zurück nach Göttingen.

Epilog

Ein Radweg, der für alle zu empfehlen ist. Immer wieder sind mir kleinere oder größere Gruppen, Familien mit Kindern und auch Paare begegnet. Einzelradler waren die Ausnahme. Besonders auf dem Abschnitt zwischen Witzenhausen und Eschwege kam bei mir manchmal das Gefühl auf, auf einer Radautobahn zu fahren, so viele Menschen waren unterwegs. Die Wegebeschaffenheit ist überwiegend sehr gut bis hervorragend und führt bis auf wenige Ausnahmen über Radwege oder Wirtschaftswege. Nur kurze Abschnitte waren darunter, bei denen ich mich fragte, was sich die Leute bei dem Wegeverlauf wohl gedacht haben. Kurze Abschnitte auf wenig befahrenen Straßen waren die Ausnahme. Es gibt auch eine sehr gute Beschilderung am gesamten Weg.

Übernachtungsmöglichkeiten zu finden waren für mich kein Problem. Teilweise waren direkt am Radweg Hinweise vorhanden. In anderen Fällen half "Das Örtliche" auf dem Mobiltelefon.

Auch den Akku zwischendurch zu laden war kein Problem, ich habe davon allerdings nur zweimal Gebrauch gemacht.

Erstrampelte Strecke mit dem Rad: 376 km. Bahnfahrten zählen natürlich nicht dazu.

Höhenmeter dabei: 2740, natürlich auch nur mit dem Rad.

Insgesamt eine Tour mit 1000 % Freude (das geht wirklich! Es gibt viele Gründe dafür, aber nur einen, der wesentlich ist) und 0,0000 % Ärger.